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Werner-von-Siemens-Gymnasium
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4. Orchestertreff bei den Berliner Philharmonikern

von Konstantin Buchholz aus der 7e der Werner-von-Siemens-Schule
 
About Simon
 
"O.k., Leute, gleich kommt er. Schaltet eure Diktiergeräte ein", sagte der weißhaarige Mann, der an der Tür stand. "Ich bin soo aufgeregt", sagte ein Mädchen. "Stellt euch vor, er würde sich neben euch setzen, ich glaube, ich würde in Ohnmacht fallen. Wo wird er eigentlich wirklich sitzen?" "Ich glaube, direkt neben Ihnen", erwiderte der weißhaarige Mann. Das Mädchen sah wirklich aus, als wäre sie einer Ohnmacht nahe.
 
Ich betrachtete den Raum, in dem wir uns befanden. Er war mit grünem Teppichboden ausgelegt und schöne Gemälde schmückten die Wände. Das war der "Green Room" der Philharmonie Berlin, in dem sich an einem Sonntagmorgen um 12 Uhr die Reporter aus praktisch allen Berliner Gymnasien versammelt hatten. Als ich am Morgen die Philharmonie betreten hatte, hatte ich mir vorgenommen, nicht aufgeregt zu sein, ich meine, er ist ja nur ein Mensch, ein Mensch, der zwar geniale Musik macht, aber eben ein Mensch und nichts Besseres. Aber als ich da zwischen diesen ganzen Erwachsenen saß, die sich um die besten Plätze schlugen, zitterten mir die Knie, wie es noch nie in meinem Leben vorgekommen ist.
Und als der fröhlich dreinblickende Mann mit lockigem Haar den Raum betrat, konnte ich schon gar nicht mehr aufstehen. Mit größter Neugier untersuchte er erst einmal die Aufnahmerekorder und Diktiergeräte, bevor er sich setzte und sich den Fragen der Reporter auslieferte, die ihn alle wie hungrige Wölfe anstarrten. Während dieses Interviews ist mir klar geworden, dass man, um gute Musik zu machen, ein gewisses Maß an Energie haben muss, besser noch, wenn man viel Energie hat. Simon Rattle hatte übermäßig viel Energie. Bei seinen Antworten sprang er immer wieder auf, machte Figuren nach, zog Vergleiche zu Tom und Jerry und Micky Maus, riss einen Witz nach dem anderen und vergaß dabei keinen Moment, charmant zu den Mädchen und Jungen zu sein. Ein Mädchen verfiel sogar in einen Kicheranfall und kriegte sich gar nicht mehr ein. Das heißt aber nicht, dass er aus jeder Antwort einen Witz machte oder nicht ernst sein konnte. Wenn die Frage ernst war, so gab er auch ernste Antworten, die manchmal fast philosophisch waren. Wir waren länger als eine Stunde in dem Raum und hörten ihm zu. Er erzählte davon, wie sein Vater seiner Mutter begegnet war, davon, wie er zum ersten Mal auf der Bühne stand und davon, wie ihm einmal mitten in einem Konzert die Hose geplatzt war. Es war ein Jammer, dass wir nicht mehr Zeit hatten, denn man hatte das Gefühl, diesem Mann stundenlang zuhören zu können. Vergesst, was ich vorhin gesagt habe mit "er ist auch nichts Besonderes". Es gibt manchmal wirklich besondere Menschen und Simon Rattle ist besonders.
 
"Musik machen ist nicht nur, ein paar Noten runterzuspielen, nein, es ist auch nicht nur, ein Stück zu spielen, nein, nicht nur ein schöner Zeitvertreib. Es ist, eine Geschichte zu erzählen, Gefühle auszudrücken und alles zu erzählen, was Worte nicht sagen können.
Jedes Mal vor einem Konzert gehe ich durch die Reihen der Musiker. Es ist, als ginge man durch einen Urwald voller Käfige, in die Tiger eingesperrt sind. Diese Menschen sind hungrig, ihre Geschichte zu erzählen und sie machen das so gut, dass alle Zuhörer sofort mitgerissen sind. Ich kann an jüngere Musiker keinen besseren Rat geben als den, dass ihr Musik einfach als mehr anseht als eine weitere Art von Kunst."
(Sir Simon Rattle)