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Werner-von-Siemens-Gymnasium
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Die 90er Jahre


Die Zeit des Mauerfalls im weltpolitischen Raum wurde auch für unsere Schule ein Neuanfang, weil auch innerschulisch "Mauern" fielen und Herr Reich, der neue Schulleiter, in diesen Werdeprozeß prägend eingriff. Das kam vor allem am Schultag 10. November 1989 denkwürdig zum Ausdruck: Aus der Erregung der Geschehnisse war ein großer Teil der Schüler morgens nicht zur Schule, sondern zum funktionslos werdenden Grenzkontrollpunkt Drewitz gegangen, um die Tausende dort mitzuempfangen, die jubelnd aus der DDR ins freie Berlin strömten. Die unerlaubt Abwesenden wurden in der Schule "ermittelt", und korrekt trugen viele Lehrer jedem Säumigen einen Tadel ins Klassenbuch ein. Entscheidendes war geschehen: die Schüler hatten zuerst das Einmalige in seiner Bedeutung erkannt: Zeuge eines welthistorischen Ereignisses sein zu können und zu müssen. Der Schulalltag verharrte inzwischen bis zum späteren Vormittag in einer Art Schwebezustand; dann versammelte Herr Reich das Kollegium um sich, um mit Sekt auf die möglich gewordene Wiedervereinigung Deutschlands anzustoßen und die Tadel der Fehlenden streichen zu lassen. - Im Rückblick war das nicht nur ein Verwaltungsakt, denn er dokumentiert das Anerkennen des Neuen: In einer demokratischen Schule machen nicht nur Schüler Fehler, handeln nicht nur Lehrer vorbildlich, in einer demokratischen Schule sind alle aufgerufen, Entscheidungsträger zu sein, wo die Situation es geboten erscheinen läßt. Diese neue Qualität zeichnet unser Schulleben in den neunziger Jahren aus; die Schule hat nun vier Standbeine: Lehrer, Schüler, Eltern, Ehemalige; sie handeln in Kenntnis und zur Freude des Schulleiters selbständig und unbeauftragt eigenverantwortlich zum Wohle der Schule; ihr kommen diese neuen Kräfte vielfältig zugute, wie die folgenden Beispiele aus den neunziger Jahren illustrieren; sie veranschaulichen Bedeutung Leistungsfähigkeit und Zusammenspiel der Eigeninitiativen, mit denen der demokratische Schulleiter rechnen können muß und zusammenarbeitet.

Diese Ereignisse und Entwicklungen während des letzten Jahrzehnts vor dem Jahrtausendwechsel dokumentieren in unserer "Chronik des Werdens" beispielartig das Hineinfinden in eine Schulwirklichkeit, wie sie im Schulverfassungsgesetz vorgezeichnet ist: In der demokratischen Schule sorgen selbständige Gremien miteinander dafür, daß nicht nur Ziele erreicht werden, wie die Lehrpläne sie vorsehen, sondern Freiräume entdeckt, geschaffen und genutzt werden, in denen die individuelle Persönlichkeit des Heranwachsenden ihre guten Anlagen entwickeln , Aufgaben für sie finden und versuchen kann, sich in diesen gemeinschaftsdienlich zu profilieren.

Die demokratische Schule bietet viele Möglichkeiten im Mit- und Füreinander selbständiges Handeln zu erproben und eigenverantwortlich zu entwickeln. Die neunziger Jahre wurden, wie die dargestellten Beispiele veranschaulichen, In unserer Schule zu einem herausragenden Meilenstein auf diesem Weg. Zur erfolgreichen Sacharbeit im Unterricht aller Fachbereiche sind die Leistungen gekommen, die aus freiwilligem Engagement bei Schülern, Lehren und Eltern entstehen, wenn ihre Schule es ihnen ermöglicht, Ideenreichtum und Einsatzbereitschaft in selbst gestellten Aufgaben zum Wohle des Schullebens zu verwirklichen.