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Werner-von-Siemens-Gymnasium
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"Abitur - was dann?"

Aus der Sicht des Jugendlichen vollzieht sich seine Ausbildung auf festgelegten Bahnen, nach durchdachten Richtlinien, mit zielorientierten Übergängen an den Endstationen eines Streckenabschnitts. Während seiner Schullaufbahn gewöhnt er sich daran, daß alles geregelt ist und die Schule seinen Werdegang in Kenntnis seiner Begabungen und Neigungen beratend "steuert" : sie kümmert sieh um ihn vom ersten Schultage an. Doch mit dem letzten Schultag und dem "Entlassungszeugnis" ist diese mitanerzogene Fürsorge schlagartig vorbei. Allein auf sich gestellt und in Unkenntnis dessen, welcher Ausbildungs- oder Studienweg für seine Gaben und Neigungen weshalb der geeignete wäre, muß er entscheiden und wird manchmal erst nach einigen (verlorenen) Jahren wissen weshalb er sich auf einem für ihn ungeeigneten Weg befindet..

Die ständige Zentrale der Exen - in den neunziger Jahren: Gabriele Albrecht-Glauche (Abiturjahrgang 1973), Christine Aschenbrenner (1992); Sabine Glatz (1985); Martin Glauche (1973), Holger Haenecke (1993), Gabriele Rook (1967), Astrid Siems (1960) und Christian Zech (1976) sowie als Verbindungslehrer zur Schülerschaft Dieter Lucke (D,G,DS) und Ralf Häberer (Ch,lnf ,Ph) - sah eine lohnende Aufgabe darin, diesen Zustand zu ändern und für die Schule eine Möglichkeit zu finden, ihre Abiturienten hinsichtlich des empfehlenswerten weiteren Bildungsweges nicht unversorgt ziehen lassen zu müssen.

Zwar erhalten alle Schüler durch Berufsberater und lnformationszentren in Marktlage und Ausbildungscharakteristika Einblick, aber kein Berufsberater verfügt über eigene spezifische Erfahrungen auf den Wegen in den vom Schüler erwogenen künftigen Beruf oder die jeweils charakteristischen Berufserfahrungen, aus denen geschlossen werden könnte, ob Gabe und Neigungen des Schülers dementsprechend geeignet sind.

Dieses gefragte Potential ist aber bei den Tausenden Ehemaliger vorhanden, die jede Schule hat, wenn sie den Kontakt zu ihnen nicht abreißen laßt. Unter dem Slogan "Abi - was dann?" boten die Exen ihre Dienste erstmals 1993 der Jahrgangsstufe 13 unserer Schule an. 20 Schüler nutzten das Angebot, sieben Jahre später waren es zehnmal soviel.

Folgendes Verfahren hat sich entwickelt und bewährt : Das Angebot ergeht jeweils nach dem schriftlichen Abitur an die Jahrgangsstufen 12 und 13. Jeder Schüler nennt auf einem Fragebogen die Berufe, mit denen er "liebäugelt": Die Exen sind bemüht, Ehemalige als "Paten" zu finden, die aus ihrer aktuellen Ausbildungs- bzw. Studienerfahrung oder aus ihrer Berufskenntnis beraten können. Da Schüler und Paten jahrelang auf gleicher Schulbank gesessen und teilweise dieselben Lehrer gehabt haben, kommen Kontakte schnell zustande. Es ist nicht nur an einmalige Beratung gedacht, die Verbindung soll auch während der Ausbildung genutzt werden. - Für Berufswünsche, die mehr als fünf Schüler gleichlautend äußern, wird ein Begegnungsabend in der Schule organisiert, bei dem in jedem Klassenraum ein anderes Berufsgebiet diskutiert wird. Der Abend ist in zwei anderthalbstündige Halbzeiten geteilt, so daß man sich über zwei Alternativen intensiver informieren kann. Nach Möglichkeit werden 3-4 Ehemalige dabei ein Berufsfeld abzudecken versuchen (also z.B. Jura Student, Richter, Rechtsanwalt, Wirtschaftsjurist). Berufswünsche, die weniger oft geäußert worden sind, werden durch vermittelte Telefonkontakte "ins Gespräch gebracht", die als Beginn persönlichen Kennenlernens genutzt werden können. Außerdem hat sich sehr bewährt, dort, wo es möglich ist, Schnupperpraktika anzubieten, die Interessenten schon während ihrer Osteroder Herbstferien ihrer Schulzeit als Entscheidungshilfe nutzen können. Bei ca. 200 Schülern ergeben sich 70- bis 80 verschiedene Berufswünsche; zur Zeit können unter den Ehemaligen Paten für 90% der Wünsche gefunden werden. - Inzwischen bieten Abiturienten zunehmend ihre künftige Mitarbeit als Paten an.


Die Entlassungsfeier für unsere Abiturienten wurde während der neunziger Jahre immer drängender zum Problem, denn Größe des Jahrgangs und Enge der Aula ließen nicht mehr zu, das gesamte Kollegium und die Eltern mit den Geschwistern der Abiturienten einzuladen. 1999 war die sinnvolle Lösung gefunden, denn die Freie Universität erklärte sich bereit, ihr Auditorium Maximum für diesen Festakt zur Verfügung zu stellen. So kommt auch sinnbildlich der Übergang des Abiturienten von seiner Schul- zur Studienzeit gut zum Ausdruck.



 
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