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Werner-von-Siemens-Gymnasium
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Gründerjahre der Meysenbugschule

Wenn ich an meine Schulzeit in der Malwida-von-Meysenbug-Schule zurückdenke, befallen mich leichte Melancholie, daß das alles schon so lange her ist, und Dankbarkeit, daß ich das Glück hatte, in dieser Schule meine jungen Jahre verbringen zu dürfen.

19 Schüler in einer Klasse! Wer kann sich das heute noch vorstellen? Mein Jahrgang wurde besonders begünstigt: zum erstenmal wurden Knaben in die Mädchenschule aufgenommen! So hatten wir das Glück, drei davon in unserer Klasse umgarnen zu können. Ich denke, alle drei haben sich wohlgefühlt, wurden sie doch nach Strich und Faden von uns verwöhnt. Oft mußten sie ihre Plätze wechseln, damit jedes der Mädchen einmal neben einem sitzen durfte.

Ganz außergewöhnlich war das Musikleben unserer Schule. Durch Gisela Behm, ihr großes Fachwissen und ihre mitreißende Begeisterungsfähigkeit, ihre Hingabe an ihren Beruf, lebte die Schule in hohem Maße der Musik, so daß sie zeitweilig eher einer Musikhochschule als einem Gymnasium glich. Durch einen Freund der Schule, der komponierte, entstanden mehrere Werke für unseren Chor und die kleine Instrumentalgruppe, außerdem das erste Singspiel unserer Schule "Muguette". Eine Klassenkameradin (Ursula Dudda - sie lebt nicht mehr) hatte das Textbuch dieses Märchenspiels geschrieben; von Dr. Eberhard Wendeler, der unter dem Pseudonym Veit Diettrich komponierte, stammt die Musik. Da er alle unsere Stimmen und deren Möglichkeiten ebenso kannte wie die Orchesterkapazität, konnte er ganz individuell für jeden einzelnen komponieren. Das waren Sternstunden der Schule, die uns beflügelten und unvergeßlich bleiben. Mit den von Veit Diettrich erarbeiteten Werken sind wir auch in die Lande gefahren. So werden wohl alle, die damals die Konzertreise nach Belzig mitgemacht haben, dieses Gastspiel nie vergessen. Der Grundstock für die Liebe zur Musik ist von Gisela Behm in die Herzen vieler Schülerinnen und Schüler gelegt worden und hat sich später bei manchen beruflich niedergeschlagen.

Gedenken möchte ich auch unserer lieben Frau Homann, die wir alle verehrten. Mit ihrer menschlichen Wärme und Güte und ihrem umfassenden literarischen Wissen hat sie uns behutsam in die geistige Welt geleitet und mit uns Theateraufführungen einstudiert, die uns alle zu begeisterten Theaterleuten machten.

Sehr aus dem Rahmen des Üblichen fiel unser Geschichts- und Erdkundelehrer Dr. Haintz. Eigentlich war er Geschichtswissenschaftler und durch ein Buch über die schwedischen Könige bekanntgeworden. Er hat seinen weitgespannten Weltblick genutzt, um uns Jugendlichen zu helfen, den Umbruch vom "Dritten Reich" in die Nachkriegszeit zu begreifen und zu vollziehen.

In Malwida-Erinnerungen darf der damals vielumschwärmte "Junglehrer" Herr Steinacker, nicht unerwähnt bleiben. Er wurde von allen Mädchen versorgt mit raren Lebensmitteln und kleinen Zetteln romantischer Schülerinnen. Tomaten, Apfel, Brot, Schokolade - damals alles vom Munde abgesparte Seltenheiten - opferten wir für ihn, um seine Zuneigung zu erheischen.

Mit zunehmendem Alter vergolden sich Erinnerungen, aber ich bin mir ganz sicher, daß in dieser Schule ein ganz besonderer Geist herrschte, der unvergeßlich bleibt und viele Jahre weitergewirkt hat. Manchmal habe ich das Gefühl, das alles war gestern.

All denen, die jetzt Schüler dieser Schule sind, wünsche ich, daß es ihnen eines Tages auch so gehen möge!

Renate Doufexis geb. Lang (Abi 49)

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