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Werner-von-Siemens-Gymnasium
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Meine Lehrer

7 Jahre Werner-von-Siemens-Gymnasium - während dieser Jahre gab es gute und schlechte, erfolgreiche und frustrierende, lustige und weniger lustige Tage.

Das Schuljubiläum soll nun Anlaß sein, mich der lustigen Erlebnisse zu erinnern:

Es gab da Lehrer Eins, der in der 7. Klasse versuchte, uns über Karl den Großen und Pippin den Kurzen aufzuklären. Doch bevor er mit dem Unterricht begann, kramte er in seinen Erinnerungen: Als er das Geschichtsbuch aufklappte, fand er dort einen Teil eines abgerissenen Kalenderblattes, mit braunem Filzschreiber bekrickelt und bekrakelt. Lehrer Eins brachte dieses Schnippselchen Papier in den Unterricht ein und verkündete lautstark, dieses "Gemälde" sei ihm von der kleinen Schwester einer früheren Schülerin geschenkt worden. - Die Klasse fand die Geschichte zwar sehr rührend, konnte damit aber nicht viel anfangen, zumal Lehrer Eins so tat, als sei der Papierfetzen ein Liebesbrief, den er vor langer Zeit verehrt bekommen hätte. - Man wird es nicht für möglich halten: Lehrer Eins hatte diesen Zettel neun Jahre lang aufbewahrt und in Ehren gehalten!

Die Losung seiner geheimnisvollen Andeutung gab mir meine Schwester Claudia. Seinerzeit habe ich als Dreijährige mit am Tisch gesessen, als eine Schwester mit ihrem Klassenlehrer Eins und einigen anderen eine Art "Kriegsrat" hielt. Während die Schüler mit ihrem Lehrer redeten, bekritzelte ich das abgerissene Kalenderblatt mit einem braunen Filzer. Dank Lehrer Eins, der es neun Jahre lang aufbewahrt hatte - es ist wahrscheinlich heute noch in seinem Besitz - sah ich das Werk einer Dreijährigen - mein Werk - wieder.

Danke, lieber Lehrer Eins, für Ihre so persönliche Form der Zuwendung!

Tja, dann gab es da noch den Lehrer Zwei. Jede Stunde fragte er uns, wie hoch er eine Badewanne werfen müsse, damit sie nicht wieder zuruckkäme, sondern um die Erde kreise. Leider wurde uns von ihm nie eine Lösung präsentiert.

Lehrer Zwei tat uns zudem sehr leid! Wie sich herausstellte, hatten sich einst Herr Zwei und der Dümmste der Schule bei der Post beworben. Den Dümmsten hatte man genommen, Herrn Zwei nicht. So ist er dann Lehrer geworden, und wir durften uns unser Urteil über die Post bilden.

Lehrer Drei gab bei uns Mädchen Vertretung. Da Bodenturnen geplant war, hatte niemand feste Schuhe mit, sondern nur Schläppchen. Das hinderte Lehrer Drei jedoch nicht, den Plan spontan umzustellen und mit uns auf den Sportplatz zu gehen. Fünf Runden auf schwarzer Aschenbahn laufen - und das mit dünnen, weißen Gymnastikschuhen! Welch Wunder, daß wir nicht mit den Jungen Fußball spielen mußten! Unsere Forderung nach neuen Schläppchen auf Schulkosten wurde leider nie erfüllt.

Lustig war der Auftritt eines Mitschülers im Englisch-Grundkurs. Besagter begann sich während des Erarbeitens eines Textes langsam und genüßlich auszuziehen - bis auf die Unterhose! Die behielt er vorsichtshalber an, der Schreck sollte wohl doch nicht zu groß werden. Entblößt stieg er auf einen Stuhl und zeigte Muskeln.

Lehrerin Vier, eine wirklich liebe und verständnisvolle Frau, war mit der Striptease-Einlage ihres Schülers etwas überfordert und fragte ihn: "Ist Ihnen vielleicht heiß? Dann verschaffen Sie sich doch bitte draußen etwas Abkühlung!" Was Lehrerin Vier nicht wußte: Es ging um eine Wette zwischen den Jungen, daß unser Mitschüler vor nackten Tatsachen kneifen würde. Er erhielt die 5 DM!

Da fällt mir noch eine runde Sache ein:

Amrum 1983 - Klassenfahrt. Versammlung am Strand. Gespräch im Sand. Wir sollten einen Kreis bilden, um über den Schüler zu diskutieren, der sich auf Helgoland ein Springermesser gekauft hatte. Also, da saßen wir nun, 30 Schüler im Sand und im Kreis - wie wir dachten. Nichts passierte! Eine Viertelstunde verstrich, die ersten Schüler fingen an, im Sand zu buddeln. Nach einer Dreiviertelstunde verstummte die Menge auf einmal, und unsere Blicke richteten sich auf Lehrer Fünf. Er hatte einen tomatenroten Kopf und schnaubte wie ein Stier vor Wut. Als sich eine Schülerin zu fragen traute, ob die Diskussion nicht endlich beginnen könne, platzte er förmlich und schrie: "Nennt ihr das einen Kreis? Das ist ein Ei! Mit einem Ei diskutiere ich nicht!"

Von Lehrer Sechs kann man leider keine skurrile Geschichte erzählen. Während seines Unterrichts hätte man fast immer eine Stecknade1 zu Boden fallen hören können. Wo nahm er diese Autorität her, auch die größten Klassenrüpel verstummen zu lassen? Für ihn sind die Schüler das Wichtigste. Er hat immer ein offenes Ohr und weist niemanden in seiner Schülernot ab! Seine Deutschstunden waren für mich die aufregendsten, motivierendsten und fruchtbarsten 45-Minuten meines Schüleralltags! Wenn er anfing zu erzählen, wurde eine Stunde zu einem unvergeßlichen Erlebnis! Viel Frust, aber auch viel Freude - und Erinnerungen, die sich immer mehr verklären!

Corinna Lucke (Abi 89)

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