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Werner-von-Siemens-Gymnasium
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Der alte und der neue Name unserer Schule

(nach der Ansprache von Stadtrat Merzdorf)
 
Die Umbenennung hat eine doppelte Ursache, die sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft der sich wandelnden Schule zu finden ist.
 
Als nach dem letzten Krieg aus der Privaten Mittelschule am Föhrenwald die Malwida-von-Meysenbug-Schule, ein Gymnasium, wurde, da blieb sie zunächst weiterhin eine reine Mädchenschule. Das war wohl der ausschlaggebende Grund dafür, ihr den Namen der bekannten Frauenrechtlerin Malwida von Meysenbug, einer Freundin Nietzsches und Wagners, zu geben. Es war also mehr die Idee, dieser Frau und damit ihrer Arbeit für die Emanzipation ein ehrendes Andenken zu bewahren als die Absicht, damit etwa ein Vorbild oder Leitbild zu geben. Aber auch schon zu dieser Zeit dürfte es schwierig gewesen sein, den Schülerinnen die Probleme und die Zielsetzung der Arbeit der Frauenrechtlerinnen innerlich wirklich nahezubringen. Inzwischen ist die Entwicklung weit fortgeschritten, und der Kampf um die Gleichberechtigung wird auf den verschiedensten Gebieten nunmehr gelegentlich mit umgekehrter Stoßrichtung geführt.
 
Hinzu kam, daß seit 1947 an dieser Schule hier die ersten Versuche mit der Koedukation unternommen wurden. Nun konnten Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichtet werden. War es schon schwierig, die Mädchen in eine engere Beziehung zur Namenspatronin der Schule zu bringen, bei den Jungen waren diese Bemühungen geradezu zum Scheitern verurteilt.
 
Diesen Sachverhalt richtig erkennend, haben sich schon seit Jahren Teile der Eltern- und Lehrerschaft wiederholt bemüht, dieses Problem durch eine Umbenennung der Schule in würdiger Weise zu lösen. Es ist also nicht so, daß hier ein Name oder ein Andenken, die unser aller Achtung und Anerkennung verdienen, etwa leichtfertig ausgelöscht werden sollen. Richtig ist vielmehr, daß der Namensträger, nämlich die Schule, sich durch die Zeitläufe hindurch so gewandelt hat, daß er nicht mehr in einer echten, tiefergehenden Beziehung zur Namenspatronin steht und daher als Träger einer Tradition nunmehr auch nicht mehr geeignet erscheint.
 
Eltern und Lehrerschaft sowie die bezirklichen Gremien waren sich darin weitgehend einig und haben beschlossen, der Schule den Namen Werner-von-Siemens-Oberschule zu geben. Dies u. a. auch deshalb, und hier liegt die zweite, in die Zukunft weisende Ursache der Umbenennung, weil der Schule in Durchführung des Hamburger Abkommens im nächsten Jahr - genauer gesagt zu Ostern 1968 - ein mathematisch-naturwissenschaftlicher Zweig angegliedert werden soll. Dies wird, so hoffen wir, auch dazu führen, daß das männliche Element in der Schülerschaft in Zukunft noch stärker vertreten sein wird als bisher. Schließlich aber soll durch die Namengebung in gewissem Sinne auch die Tradition des ehemaligen Werner-Siemens-Realgymnasiums fortgeführt werden.
 
Der neue Name wird für die Schule eine große Verpflichtung sein. Das Genie des Forschers sowie die Tatkraft, Weitsicht und soziale Verantwortung des Unternehmers Werner von Siemens aber können nun wirklich Vorbild, Leitbild und Ansporn für die Schüler sein.